Fischerfeste - Karfreitagfischessen

Die Fischerfeste, das Karfreitagfischessen

Das Quadromzelt war längst zu klein und nach Österreich verkauft worden. Man stellte nun ein großes Festzelt auf dem großen Platz oberhalb des Sees auf.
Zunächst war es von den Brauereien später vom Roten Kreuz geliehen worden.


Mit dem Spruch:

Auch wenn das Wetter schlecht,

Ist Ihr Besuch uns recht.
Wir sorgen für Ihr Wohlergeh’n
Und freu’n uns auf ein Wiederseh’n!


warb man auf den Plakaten und in der Presse und das brachte auch den gewünschten Erfolg.

An den Vereinsfesten der vergangenen 50 Jahre ist sehr deutlich abzulesen, wie sich die Zeiten für die Angler ganz gravierend verändert haben.
In den Anfangsjahren stand bei den Fischerfesten das Angeln im Vordergrund. Das allererste Fischerfest fand vom 23.5. – 26.5.1974 statt.

Es gab jede Menge „Wett“fischen, wobei in Klammer die gefangenen Mengen genannt sind, soweit Aufzeichnungen vorhanden waren:


- Vereinsinternes Wettfischen um die Königswürde                17,3 Kg
- Vatertagswettfischen für Väter und Kinder                              7,5 Kg
- Allgemeines Gästeangeln
- Wettfischen der örtlichen Vereine                                           21,4 Kg
- Partnerschaftswettangeln mit den Anglern aus Baccarat     36,1 Kg
- Pokal-Wettfischen der befreundeten Angelvereine

Für Gernsbach war ein Fischerfest etwas außerordentlich Neues, die Interessierten strömten in großen Massen zum Träufelbachsee und wurden dort zusammen mit den Teilnehmern der
Angelwettbewerbe in einem angemieteten Zelt bei Backforellen, Fisch- bzw. Lachsweck und Getränken bestens verpflegt. Die Zusatzeinnahmen aus diesem wie auch aus allen weiteren Fischerfesten ermöglichte es, die aufgenommenen Darlehen für den Dammbau nicht nur vereinbarungsgemäß sondern auch vorzeitig zu tilgen. Außerdem konnten die nachfolgenden
Investitionen am und um den Träufelbachsee finanziert und auch gleichzeitig die Beiträge für die Mitglieder in einem vertretbaren Rahmen gehalten werden.

Schon ein Jahr später wurde ein eigenes Festzelt angeschafft, das Quadrom, eine Neuentwicklung der Firma Stahlbau Kugel in Gernsbach.
Normalerweise kostete dieses Zelt 25.000 DM, es gab jedoch noch einen „Prototypen“, den man günstig für 16.000 DM erstehen konnte.
Die hatte man allerdings auch nicht gerade so in der Kasse; gegen Bürgschaft der beiden Vorsitzenden Eddi Schiener und Karl-Fritz Gaus gewährte dann eine hiesige Bank ein entsprechendes Darlehen, um den Kauf finanzieren zu können. Das Zelt wurden dann in der Folgezeit auch an weitere Gernsbacher Vereine verpachtet, woraus man glaubte einen Großteil der Tilgungen für das zusätzliche Darlehen erlösen zu können.

Die Fischerfeste am Träufelbachsee entwickelten sich in den Folgejahren zu einem großen Magneten, einerseits für die Gernsbacher Bürger, die mit den Backforellen kulinarisch verwöhnt wurden,
andererseits für die befreundeten Angelvereine vor allem aus der Rheinebene, die hier die Chance hatten, auch einmal eine der so sehr begehrten Forellen zu fangen.

Den Höhepunkt erreichten die Fischerfeste in den 1980er Jahren, wenn man in den Annalen liest, dass zum Beispiel im Jahre 1982 an dem 3-tägigen Fischerfest 415 Teilnehmer ihre Angel auswarfen und insgesamt 240 Kg Forellen gefangen wurden, damals waren das ausschließlich Regenbogenforellen.

In den 1990er Jahren stellte man dann einen langsamen Rückgang der Besucherzahlen bzw. der Angler bei den Fischerfesten fest. Es gab viel mehr Feste in der Umgebung und wir verloren dadurch etwas an Attraktivität. Hinzu kamen hintereinander einige Jahre mit schlechtem Wetter (die Eisheiligen) bei unserem immer recht frühen Termin.

An diesem frühen Termin hatte man immer festgehalten, weil wir dann zumeist die ersten waren, die nach der langen Winterzeit eine Festatmosphäre boten. Den hohen fixen Ausgaben für die Fischerfeste standen dann in diesen späteren Jahren keine adäquaten Erlöse mehr gegenüber.
Hinzu kamen rechtliche Probleme, Tierschützer hatten die Angler aufs Korn genommen, weil diese nur wegen „der puren Lust am Fische fangen“ bzw. der „Beutemacherei“ ihre Angel auswarfen und der eigentliche Ernährungsgedanke in den Hintergrund getreten sei. Es erschienen „Spione“ bei den Fischerfesten, um zu beobachten, wie man mit den gefangenen Fischen umgeht. Angelvereinsvorstände wurden angeklagt, weil sie Angeln durchführten, bei denen die gefangenen Mengen als Maßstab für einen Pokal oder einen Preis herangezogen wurden.

Zu einer Verurteilung kam es unseres Wissens zwar nicht, jedenfalls hatten sich die Zeiten aber ganz gravierend verändert.
Dieser Entwicklung wurde seitens des Vereins in der Weise Rechnung getragen, dass keine 3-tägigen Fischerfeste mehr durchgeführt wurden.

Das letzte große Fischerfest fand vom 22.-24. Juni 1996 statt.
Es gab in den Folgejahren nur noch eine 2-tägige, später sogar nur noch eine 1-tägige Seehockete mit einem Kameradschafts- oder Hegefischen unter Beibehaltung des gewohnten Backforellen
angebotes, nunmehr allerdings nicht mehr im großen Festzelt, sondern in kleineren, sukzessive vom Verein angeschafften Zelten.
Alternierend fand diese Seehockete manchmal im Frühsommer, manchmal im Herbst statt. 

Im weiteren Verlauf wurden auch die Kameradschafts- und Hegefischen eingestellt und nur noch ein „Karfreitagfischessen“ durchgeführt. Dieses erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit und großem Zuspruch, wie das Bild oben zeigt.


Wer eines dieser Feste einmal besucht hat, freut sich, dass in der Regel alles bestens funktioniert,mal abgesehen davon, dass man, wenn man seine Backforelle genau um 12.00 Uhr mittags essen möchte, es durchaus sein kann, dass man etwas mehr Zeit einplanen muss. Einfach deshalb, weil die Forellen in der Fritteuse ihr Zeit brauchen und nur eine begrenzte Anzahl Forellen gleichzeitig frittiert werden können.
Damit das ganze Drumherum bei solchen Festen, also das Bestellen der benötigten Waren, Zutaten und Getränke, die Zusammenstellung der benötigten Teams für deren Zubereitung als auch der Ausgabe der Speisen und Getränke sowie die Verwahrung oder Verwertung der übrig gebliebenen Portionen optimal zu organisieren, hatte der Verein mit Beginn der Fischerfeste Mitte der 1970er Jahr den Posten eines „Festwarts“ geschaffen. Und dieses verantwortliche Amt hatten inne:

1978 – 1982 Gustav Kugel
1986 – 1990 Egon Kieser
1992 – 2000 Josef Fallert
1982 – 1986 Erich Fritz
1990 – 1992 unbesetzt
2000 – 2003 Siegfried Dorsch

In der Zeit von 2003 – 2009 kümmerte sich ein 3er Team um die Feste, immer dabei in diesen 6 Jahren waren Klaus Geist und Siegfried Dorsch, hinzu kamen jeweils für 1 oder 2 Jahre Volker Steimer, Daniel Metzmeier und Roland Reiter


                                                                    2009 – 2010 Siegfried Dorsch + Wolfgang Scheller
                                                                        2010 – 2014 Wolfgang Scheller


Ab dem Jahre 2014 galt eine neue Satzung mit vier gleichberechtigten Vorstandsmitgliedern. Die Aufgaben eines Festwarts wurde seither vom Vertreter des Geschäftsbereichs 4 (Anlagen und Festbetrieb) organisiert. Vom Jahre 2014 bis 2019 war dies in Fortführung seiner bisherigen Arbeit: Wolfgang Scheller: ab 2019 Rüdiger Hylla